Interviste Germania
  • Prof. Dr Koch
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  • Hermann Leifker
  • Frau Ohl
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  • Gerhard Dingermann
  • Willi Schulz
  • Harald Sander


  • Intervietwer: Prof. Dr. Alfred Koch

    Geb. 23.06.1907

    Sanitätsoffizier bei der Luftwaffe

    Interviewer: Franjo Hülck

    Alfred Koch: Manche fragen mich: „Sag mal, wie kommt es, wie bist du eigentlich damit klar gekommen? Wie hast du es eigentlich vertragen und ertragen, dieses im Kriege da zu sein? Ich sage: „Ja, ich habe es mehr oder weniger ziemlich schnell angesehen als meine Pflicht, ich fühlte mich verpflichtet, mich einzusetzen, was zu tun, nach meinen Kräften.", denn wir waren ja praktisch doch auch national erzogen, und zwar ging das ja los als Jugendliche, ich entsinne mich ganz genau. Wir hatten beim Sportklub Münster auf der Tribüne, hatten wir stehen „Pro patriae est drum ludere videmur", das heißt „während wir spielen tun wir doch auch etwas fürs Vaterland" auf deutsch gesagt, und so war auch in dem Sportklub Münster damals, hatten wir etliche Soldaten, die maßgeblich auch beteiligt waren z.B. den damaligen, zu meiner Zeit war es ein Hauptmann von Reichenau. Das war ein guter Fußballspieler, das war ein guter Leichtathlet, der konnte Kugelstoßen, der konnte Diskus- werfen und der hat uns manche technischen Dinge beim Sport auch beigebracht und so waren wir eigentlich auch später auf dem weiteren Schulweg, in der Schule immer war es doch so, dass man sich um Deutschlands um Deutschlands Kolonien, wurde damals erzählt, von denen erzählt. Von Deutsch-Südwest-Afrika, dann z.B. gehörten wir natürlich an der VDA, dem Verein für das Deutschtum im Ausland. Das leitete damals ein Anverwandter von mir, der Dr. Humborg Studienrat, und so waren wir also praktisch national erzogen, und das blieb ja auch hinterher weiter so, bei der Marine, bei der Marine war es ja nächstes die kaiserliche Marine war das früher, von Kaiser Wilhelm II. waren noch Überreste da, und noch alte Offiziere, die noch früher schon bei der Marine waren. Die gaben dem Ganzen doch ein Gepräge, und man war stolz auf die Siege, die bei der Marine, durch die Kriegsmarine, erfolgreich abgeschlossen wurden, aber auf der anderen Seite ist es natürlich klar, Deutschland war aus seiner nationalen Tüchtigkeit und nationalen Größe und Stärke nicht sehr beliebt bei den Umwelt liegenden Nationen, z.B. die Engländer, die waren sehr gegen Kaiser Wilhelm II., weil der eine Kriegsflotte aufzog. Die Engländer waren ja Beherrscher der Weltmeere und die Franzosen waren uns auch nicht hold während der ganzen Zeit, sondern bei denen stand auch immer das nationale Interesse eindeutig im Vordergrund, und da war auch gleichzeitig noch notwendig, um die Seefliegerei zu beginnen, dass man einen Seglerschein erst machen mußte, für kleine Küstenschifffahrt. Das lief dann also auch dort parallel, man mußte also erst den Seglerschein machen und dann fing man da an und mußte also jetzt Motoren auseinandernehmen, die Schwimmer setzen, entwässern und so weiter. Jedenfalls, wir mußten von der Pike auf dort hochdienen, und das hat sicher nicht geschadet, denn nach dieser Fliegerei in Warnemünde, traf ich dann zusammen hinterher mit See-offizieren, die auch eine fliegerische Ausbildung bekamen. Das waren also zehn Seeoffiziere, ein Ingenieuroffizier, und dann waren da noch drei chinesische Leutnants, und dann waren da noch eine Gruppe von fünf, sechs, sieben, acht Leuten, die waren in Rußland schon fliegerisch ausgebildet worden, geheim. Wir waren auch da wir wurden also plötzlich einquartiert, wir sagten hinterher in so einem Strandhotel, wir nannten es hinterher das „Bullenkloster", denn wir durften ja mit keinem sprechen, wir mußten nur unter uns da hinten sein, wir durften kein Mädchen zum Tanz auffordern oder sonst, gar nichts. Wir waren also da jetzt nur fliegerische Ausbildung und seemännische Ausbildung. Ja, und das zog sich dann so hin und dann kam ich wieder zur Marine zurück, und dann hieße es: „Ja, .Herr Koch, wir können sie bei der Marine nicht mehr halten, denn Göring, der ist der große Mann jetzt in Berlin, und der verlangt das alle Marineleute, die fliegerisch irgendetwas gemacht, eine fliegerische Ausbildung haben, müssen zur Luftwaffe hin." Das war mir sehr unangenehm, und ich hatte mich sehr darüber geärgert, aus dem einfachen Grunde, ich hatte bei der Marine eine Ausbildung bekommen, ich sollte als Schiffsarzt 1935 auf der „Königsberg" damals ins Ausland reisen. Ich hatte also gelernt, Blinddarm zu operieren, Bruch zu operieren und Zähne zu ziehen, das mußte man als Vorausbedingungen damals haben und ich hatte extra Kurse mitgemacht. Hatte also das hinter mich gebracht und die Voraussetzungen waren erfüllt. Vor allen Dingen hatte ich bei der Marine noch einen Englischkurs belegt gehabt, denn bei der Marine zur Hitler Zeit, verlangte man von den Offizieren, dass sie an irgendwelchen Kursen, Fortbildungskursen teilnahmen. Damals habe ich gesagt: „ Ja gut, wenn so Sprachen angeboten." Ich sag: „Englisch finde ich das Einfachste." Englisch hatte mir immer ganz gut gefallen, und da kam ich ganz gut mit aus. Ich hatte also meinen englisch Dolmetscher gemacht während der Marine, und dann war ich also für diesen Auslandskreuzer( die „Königsberg" ) groß vorgesehen und hinzu kam noch, ich konnte ja auch noch Spanisch. Auf der Schule auf dem letzten Jahr und letzten beiden Jahren auf der Penne hatte ich freiwillig Spanisch mitgemacht. Also dienstag- und freitagmorgens vor dem normalen Unterricht war so eine halbe bis drei viertel Stunde Spanischunterricht. Damals hab ich auf dem Abiturzeugnis in Spanisch auch gut gehabt. Also, das waren die Voraussetzungen um da als Schiffsarzt dann auf der Königsberg einzusteigen. Das ging nun in die Hose, und wir mußten die schöne blaue Uniform ausziehen und mußten diese blaugraue anziehen, und dann hieß es aber: „Herr Koch, wir wissen, dass wir sie da schwer bedrängt haben und wahrscheinlich Ihrem Wunsch entsprochen haben, und wir haben es aber bei Ihnen nicht gekonnt." Sagten sie von der Luftwaffe der oberste Sanitätsmann, mit dem ich da zu tun bekam, der sagte: „Herr Koch, zum Ausgleich gebe ich Ihnen die Gelegenheit, sie können auswählen wo sie hin wollen bei der Luftwaffe, was sie machen wollen." Ich sage: „Ja, ich möchte Ihnen Folgendes sagen, ich möchte gerne da hin, wo ich weiter fliegen kann", und so habe ich auch den ganzen Krieg hinterher weiter erlebt. Nachdem ja der Frankreichfeldzug zu Ende war. Dort hatten wir im Jahr 1940/41 große Verluste, weil die Fliegerverbände, die rüber flogen nach England, die waren zu Anfang sehr erfolgreich. Als aber die Engländer das Radarsystem der Deutschen geknackt hatten, da war es vorbei, also viele Deutsche fielen gleichzeitig den englischen Jägern in die Hände, weil die alles ausspioniert hat und wußten, wann wo irgendwelche Truppen dort drüben, Verbände drüben einfallen würden. Aber man muß auch dazu sagen, ich war ja dann in Paris-Sevres, weil da das vierte Fliegerkorps, dem ich da vorstand, wo ich als Arzt dabei war, lag in Sevres. Die hatten damals dort ein kleines Schlösschen, da in Sevre, da ist ja so eine Porzellanmanufaktur auch gleichzeitig, und in diesem Schloß war anscheinend so eine Musikschule drin. Da waren Musikinstrumente, hingen an den Wänden und so weiter herum. Da waren wir untergebracht damals als viertes Fliegerkorps, aber wir hatten ein Vorauskommando und zwar an der Küste, so dass dieses Vorauskommando, dass beobachtete nicht nur den Feind sondern hatte auch damit zu tun, mit den vielen Verlusten, die wir dort erlitten. Ich denke noch an meinen General Pflugbeil, der sehr, sehr, sehr rücksichtsvoll war gegenüber den fliegenden Verbänden, und ich mußte darauf achten, das auch die Leute mal nicht nur zum Einsatz kamen, sondern auch mal in den Urlaub kamen. Mal nach Hause geschickt wurden, weil sie sich übermäßig eingesetzt hatten, praktisch sich nicht mehr ganz im Griff hatten, denn sie kamen natürlich dazu Alkohol zu sich zu nehmen. Die Flieger diese Verbände wollten auch noch etwas leben. Die gingen dann in die Bars rein an der Küste, und sie fielen vielfach den ausländischen Mädchen, den Spioninnen, in die Hände, wo auch viel verraten wurde, unbewußt. Was da alles passierte an der Küste, das die Verluste sehr groß waren, und es waren natürlich immer die Tüchtigsten, die dann da draufgingen, denn es waren die Tapfersten, die trotz dieser ganzen Misere noch flogen, und viele hervorragende Flieger sind dabei geblieben, bei diesen Geschichten. Wir als Ärzte vor allen Dingen, Truppenärzte bei diesen Verbänden, hatten vielfach die Aufgabe, die Angehörigen zu benachrichtigen, und das war ein ganz trauriges Kapitel in der damaligen Zeit, dort bei dem Flugeinsatz gegen England. Aber dann wurde das vierte Fliegerkorps, wurde dann verlegt, von Frankreich in den Osten.

    Interviewer: Wo sind Sie denn verletzt worden oder wann haben sie ihre Kriegsverletzung erhalten?

    Alfred Koch: Ja, wir sind ja dann nach Rußland weiter reinmarschiert, und ich mir waren dann unterstellt, als wir im vierten Fliegerkorps waren, vier Luftwaffensanitätsbereitschaften, das heißt fahrbare Lazarette. Die waren also so ausgerichtet, dass sie irgendein großes Lazarett mit Zelten u.s.w. herrichten konnten, aber auch bereit waren, irgendein großes Lazarett, irgend so ein Krankenhaus zu übernehmen, und so ist eine von diesen Truppen, von diesen Krankenkraftwagen, von mir ist als erste in Kischinjow zum Beispiel, beim Vormarsch einmarschiert, und hat für das Korps dann dieses Ingenieurschule damals requiriert, beschlagnahmt, wo wir dann als Stab untergebracht wurden, in Kischinjow. Und so ging es dann weiter mit den vier Lazaretten, die sich dann voranbewegten, und die ganze Aufgabe für mich war die, das die ganzen Maschinen, die nun die Truppen, die fliegenden Verbände versorgten, mit Munition und Benzin, „Jus", die da immer vorfuhren auf irgend- welche Feldflugplätze, das ich immer dafür sorgte, dass auf diesen Feldflugplätzen nahe der Front, Sanitätsdienstgrade von meinen Luftwaffenlazaretten, die ich da hatte, abgestellt waren, um Verwundete dort zu sammeln und die leeren Flugzeuge zu füllen mit Verwundeten. Also, wir haben Tausende von Verwundeten da wegtransportiert, auf diese Art diese primitive Art und Weise dadurch, das wir die „Jus", die leer sonst ja zurückflogen. Das wir die mit Stricken und Seilen und Tragen manchmal versorgt haben, um auch liegende Verwundete noch mit ab zu transportieren, und da waren immer an diesen Feldflugplätzen, ich wusste ja, ich war ja beim Stab dabei, beim General Pflugbeil, der mir immer sagte, was vorgesehen war, was geplant war, wo die ihre „Jus" hinflogen zur Versorgung, welche Verbände versorgt wurden u.s.w.

    Da war ich genauestens involviert, da war ich überall mit dazwischen und wußte Bescheid. Dann konnte ich meine Sanitätseinheiten entsprechend informieren, dass sie darauf achten, das dort und dort wieder Verwundete wahrscheinlich anfallen würden, um sie abzutransportieren. Das ist dann sogar so stark gewesen, das eines guten Tages an der Front dort unten, mir der oberste Sanitätschef der sechsten Armee verbieten wollte, noch Verwundete abzutransportieren, weil die " Sankrawagen „ ( Sanitätskraftwagen ) leer liefen. Dann hat aber mein Chef, der General Pflugbeil gesagt: „Herr Koch, Sie machen, was Sie für richtig halten. Das ist nicht ihr Vorgesetzter, das verantworte ich und nicht der Herr General sowieso." Und so gab es auch Spannungen auch da, denn die konnten ja zum Teil ja gar nicht fahren in dem Matsch, die kamen da gar nicht durch, bei den vorwärts und rückwärts flutenden Truppen, mit hin und her. Bis nach Stalingrad, und in Stalingrad war es ja auch das Ganze, bis kurz vor Stalingrad haben wir ja noch viele Verwundete noch abtransportiert, auch noch. In dem Abschnitt von Kiew bis nach unten bis auf die Krim hin, das war der Abschnitt, den ich zu überarbeiten hatte, für den ich zuständig war zusätzlich, in dem Bereich der sechsten Armee. Also vom Luftwaffengebiet her gesehen, sollte ich auch auf der Krim in Simperopol ein Luftwaffenlazarett-Erholungsheim mehr oder weniger einrichten. Wo also Truppen, sei es von irgendwelchen Nachrichten- oder auch Flaggabteilungen oder auch von fliegenden Verbänden hingeschickt werden konnten, mal zur Erholung oder so, um nicht weiter zurückzufallen.

    Also, und dann war es so bei diesen Verwundetenabtransporten, da habe ich gesagt, ich habe dann Vollverwundetenabtransport, wenn es dringend war, irgendwelche einzelne mit dem „Fieseler Storch", Sanitätsflugzeug, weiß angestrichen mit roten Kreuzen, und war ich auch etliche Male bis nahe an die Front heran geflogen und bis drei Kilometer an die Front ran, um da Leute abzuholen, da passten ja immer nur anderthalb Leute rein auf dem Rückflug. Ich saß ja allein drin vorne, und da war noch Platz für anderthalb einen Liegenden und einen Sitzenden, und dann war es so, da waren so viele Verwundete angefallen vor Stalingrad, was war nämlich passiert? Ich war in Kiew oder wie hieß es damals noch, na jedenfalls von einem der vorliegenden Flugplätze, war ich ja immer gestartet bei Kiew und habe dort auch Verwundetet abgeholt, und dann habe ich gesagt: „Das hat keinen Zweck mehr, du mußt da mit einer „ Ju" hinfliegen, da sind zu viele, die da nicht wegtransportiert werden können", bei schlechtem Wetter mit allem Drum und Dran, und dann habe ich mich da erdreistet, ich hatte ja gar keine Erlaubnis, also ich durfte ja gar nicht soweit raus mit Sanitätsflugzeugen. Ich sag: „Hier ist Not am Mann, da mußt du hin." Also ich mit einem Flugzeugführer dahin geflogen, und da haben jeweils auf dem Feldflugplatz da bei Woltschansk, Woltschansk „ Jus" vollgeladen, wir waren sechs Mal dagewesen, voll geladen wieder zurück, mit dem Sanitätsflugzeug, beim siebten Mal stehen da Pinien, ich sag: „Das sind Bomben, die sie da geschmissen haben, da hinten nicht", ich sag, „Gott sei dank, dann sind sie dagewesen, da können wir dann jetzt ruhig wieder dahin fliegen, nicht." Also, wir sind im Landeanflug mußten also die Kurve hinten herum fliegen, von hinten wieder auf den Platz, wegen Westwindes und dann in diesem Landeanflug kommen plötzlich zwei „Ratas" an und erwischen uns im Landeanflug von hinten, und dann haben sie die Maschinen: „Brrrrrrrrrrrr", zweimal durch das Flugzeug alles rum. Die Splitter, der Hauptfugzeugführer, der links saß, der kriegte einen Streifschuß am Kopf, da hing der Fetzen so daneben. Und ich kriegte eine Splitterverletzung am Arm und Splitter im Auge und im ganzen Gesicht herum und dann sind wir da gelandet, und zwei Sanitätsdienst gerade hinter drin, die mit zum Verladen mithelfen sollten, ich sag: „Raus, raus, raus, raus, raus, raus."

    Dann sind wir da gelandet, und da machten die „Ratas" machten rum, nochmal eine Kehre rum, kamen wieder. Ich sah da so in zehn, zwanzig, dreißig Metern Entfernung so einen Wassergraben oder so, in den Wassergraben rein, so dass der Kopf unterhalb der Kieferkante Oberkiefer war, und dann schmissen sie da noch so fünfziger Bomben drauf. Also, die Maschine war hin, und dann war es so, dass ich durch die Verletzungen, sind wir zum nächsten Feldverbandplatz der Heeres. War so in 500 Metern Entfernung. Dahin gewatschelt, und dann kriegte ich dort eine Tetanusspritze , weil ich wurde gefragt : „Haben sie schon mal Tetanus gekriegt?" In dieser Aufregung, in diesem Durcheinander, es lag unter einem Mauerwerk, wo nur noch ein bißchen Stroh drüberhing, da war man untergebracht, da um untersucht zu werden an so einem Feldverbandplatz. Das ist ja immer ganz primitiv, und dann konnte ich von dort aus aber mit meinem Stab telefonieren, und die sagten dann: „Herr Koch, wir holen Sie beim Morgengrauen ab", und die sind am Morgengrauen, in aller frühe wie es kaum hell wurde, waren die da mit einem „Fieseler Storch" und haben mich abgeholt. Und da war ich, im Verband war ich dann, habe ich dann weiter meinen Dienst gemacht, und plötzlich fand ich mich im Luftwaffenlazarett wieder. Charkow, Charkow war das, nicht Kiew, Charkow, in Charkow. Ja, und dann saß plötzlich eine weiß Gekleidete, weißes Bett und so, und ich : „Was ist denn hier los?". Ja sagt die Schwester: „Nun mal ruhig, das Schlimmste ist vorbei, ist alles in Ordnung jetzt." Ja, und dann habe ich eine Tetanus Allergie gehabt, und dann kamen aber noch die Amerikaner, rückten da rein, und plötzlich standen die Amerikaner bei uns vor der Tür, und nachdem sie ein paar Mal das Lazarett auch bombardiert hatten, auf den Tiefflügen nach Dresden und Leipzig von England, da kamen sie immer über das Luftwaffenlazarett darüber. Wir mußten also Nacht für Nacht raus, damals im Keller der Häuser, sonst war ja, gab es keinen Luftschutzkeller, gab es ja sonst nicht. Und dann hatten wir natürlich für das Luftwaffenlazarett ein Brandkommando da, es konnte ja auch Brandbomben sein, und so war es dann auch. Etliche Male Brandfackeln im Lazarett oben im Dachgeschoss, was dann gelöscht werden musste. Bei einem solchen Bombenangriff da war ich auch draußen wieder als Chefarzt, um das ein bißchen zu kontrollieren. Ich will also jetzt auch, weil die wieder angekündigt waren, also „bummm" hörte man schon, die von England da rüber kamen. Dann war ich vielleicht so dreißig oder vierzig Meter von der Tür, und da sind vielleicht so fünfzig Meter weg, ist eine Bombe da hineingebracht. Ich habe einen solchen Rückwärtsdrall von hinten gekriegt, so eine vis a tergo, dass ich von der Wucht reingeflogen bin, durch die Tür durch. So nah war der Druck, und so stark war der Druck, wo die ganze Familie unten im Keller saß. Ja, und dann kamen die Amerikaner, und ich hatte, wie es üblich ist, mein Koppel mit Pistole noch umgeschnallt, und empfing dort die Amerikaner höflich, und dann war das irgendein amerikanischer Hauptmann, der da kam, und dann habe ich ihm das Lazarett gezeigt, ihm mein Zimmer gezeigt und ja, er wollte da einziehen. Dann habe ich ihm ein gutes Zimmer, nicht mein Chefarztzimmer, ein anderes da, zur Verfügung gestellt. Am zweiten Tag schmiß er mich da raus aus meinem Zimmer, und er setzte sich da rein, meine ganzen Kurven, die ich da hatte, ließ er da wegtransportieren und verbrennen. Das war für mich der größte Kummer, eine Arbeit ( Medizinische Forschung ) von Jahren, die ich da angesammelt hatte, die ich ausarbeiten wollte, die ich bearbeiten wollte, die ging dann baden. Das war der größte Ärger während der letzten Phase des Krieges dort, dass mir das da alles kaputtgemacht wurde. Worauf ich mich freute, das nun auszuwerten. Ja, und dann wurde ich von Amerikanern gefangengenommen und landete zunächst in Untersuchungshaft, in Halle im Gefängnis. Mit einem Freund von mir, dem Dr. Jobst Schippke, der auch von der Marinefliegerei aus fliegerisch ausgebildet war, aber nicht so weit wie ich, und der dann auch zur Luftwaffe mußte. Der bei der Luftwaffe als, beim achten Fliegerkorps gewesen war. Den hat es dahinten auch verschlagen in Rußland, und der hatte sich dann zum Schluss zu mir zum Lazarett hingeflüchtet. Wo der ganze Verband mehr oder weniger aufgelöst war, und den hatten sie als Aktiven auch dann rausgepickt. Wir beide fanden uns also im Untersuchungsgefängnis wieder und mußten Zivil anziehen, vorher bevor wir da abtransportiert wurden und waren im Untersuchungsgefängnis. Was passiert des Nachts, auf mal kommt, geht die Tür auf, wer kommt rein, mein Freund Jobst. Ich sag: „Was, wo kommst du denn her?!" „Ja", sagt er, ich hatte noch so Coca Cola, diese Schokoladen-reserven, die habe ich dem gegeben, und dann hat der gesagt:„ Ich, ich kann Sie mal kurz zusammen schließen, dann nicht?" Sagt er, hat der Wärter uns dann zusammen geschlossen, haben vielleicht einen Stunde zusammen gequakt: „So, was machen wir denn jetzt?". Ja, wir wurden ja nicht verhört, wir haben auf Klopapier, haben wir gebeten drum verhört zu werden, weshalb, wieso, was wir da machen sollten, und dann erfuhren wir, ich zufällig hintenherum, dass diese ganzen Gefangenen, die da waren, die sie da gemacht hatten im Luftwaffenlazarett. Die sollten alle verfrachtet werden mit der freien Auswahl, entweder nach Polen in die Bergwerke oder nach Westen, und dann habe ich zu Jobst gesagt: „Also bloß nicht, laß es uns bloß nicht erwischen nach Ost, wenn schon, dann in den Westen." Also wir wurden plötzlich dann rausgeschmissen dort und landeten ohne irgendwie verhört zu werden, so was, auf dem Lastwagen, waren wie die Heringe da zusammengestaucht, konnten uns kaum bewegen, so war der voll der Lastwagen, und dann wurden wir auf die Wiesen vor der Fulda in Bad Hersfeld gefahren, und da hieß es : „Ja, also wer über Major ist, ab Major muß in das politische Lager, das ist das Camp sowieso, sowieso, sowieso. Ich sag: „Da laß uns mal nicht hingehen, sondern", ich sag, ich war ja Oberstarzt zum Schluß da, Oberstarzt. Und dann habe ich gesagt: „Und was machen wir jetzt?" Die durften, wollen wir mal sehen, ich konnte ja Englisch. Ich sag: „Also Jobst, weißt du was, wir melden uns zum Roten Kreuz hin, ich mach das schon." Also, ich kam zum ersten Posten, sage ich : „Hallo, ich bin Arzt, wir sollen uns beim Roten Kreuz melden." „Go on this way doctor", also in Richtung Rotes Kreuz-Zelt, was da in der Mitte dieser viertausend, fünftausend Gefangenen, dieser einzelnen Camps untergebracht waren, je nach politischer Vergangenheit u.s.w. Landete dort in diesem Rot-Kreuz-Zelt, mein Freund nicht, sondern der war irgendwie, lag der auch zwar da, aber nicht im Rote Kreuz-Zelt. Aber auch in diesem Bereich, der war auch noch nicht, war noch nicht Oberstarzt, und dann kam ich da hin. Da sagten sie :„Herr Koch, wissen Sie was, Sie können Englisch", viele kannten mich vom Kriege her, irgendwoher vom Kriege her. „Wollen sie nicht den Lagerarzt übernehmen, und mit den Amerikanern mal verhandeln, hier ist keine Latrine, kein gar nichts. Wir, die Leute versuchen also ihr Geschäft hier am Zaun irgendwie zu erledigen, dann schießen die Amerikaner, die Schwarzen schießen da mit Maschinengewehr rein. Wir haben jede Nacht zusätzlich Verwundete, und wir haben überhaupt auch kein Material, kein Verbands gar nichts. Wir haben nur das Rote Kreuz Zelt, wo wir ein paar ganz schwer Verwundete drin liegen haben, und sonst ist hier gar nichts zu wollen." Und dann habe ich erst einmal dafür gesorgt, mit den Amerikanern gesprochen, ich sag : „Wir brauchen also hier einiges, wir müssen erst einmal Latrinen bauen. Wir haben weder Schaufeln, noch Holz, noch Balken, noch irgendetwas, um so was zu machen." Da sagt er, nach langem Hin und Her sagt er, er will sehen, dass er das kriegte. Dann kriegten wir da, nach zwei Tagen kam so ein Lastwagen an, brachte uns so Holzbalken und Schaufeln, und dann haben wir erst einmal Latrinen gebaut in den verschiedensten Camps, da in verschiedenen Zelten für 4500 Leute, und das andere Schlimme war ja, dass es trocken war und heiß, also etliche hatten einen Sonnenstich dazu, und die einen hatten entweder Dünnpfiff oder Verstopfung, und denn also ihre schweren, stinkenden Verbände, wo seit Wochen jetzt praktisch keine Verbandsveränderung stattgefunden hat. Jetzt war auch kein Verbandsmaterial, gar nichts da. „So, was machen?", habe ich gedacht und mich beim Amerikaner beklagt: „Ja, wir haben auch nichts", sagt er, „Wißt denn ihr was?" Ich sag: „Ich weiß, wo ich was kriegen kann", gut dann ja, ich sag: „Im Luftwaffenlazarett Halle-Dölau." „Ja, meinen sie?" Also, ich kriegte tatsächlich ein Kommando mit Maschinengewehr, mit Sankrawagen, mit einer amerikanische Truppe, durfte ich dort hinfahren, und dann habe ich dort Verbandsmaterial geholt. Erstens passierte Folgendes: Wie ich da hinkam, die Schwestern kamen an: „Der Chef ist wieder da", ein großer Auflauf, sammelte sich vor der Tür an mit allem Drum und Dran, und dann kam der Amerikaner an und schossen um sich, machten Platz. Ich sag: „Sie brauchen keine Angst zu haben, ich kann mich mit einer Frau auf Englisch unterhalten, sie können alles mithören, was ich zu sagen habe." Da habe ich ihr nur gesagt: „Bitte sorge dafür, kannst du mir meinen Ledermantel rausgeben, ein Paar derbe Schuhe, ein Paar Bergschuhe, die ich da anziehen kann", denn in diesem Dreck und Matsch, da kann man mit Sonntagsspaziergehschuhen nicht mehr drin latschen, das ist alles kaputt und dann noch ein dickes Buch über Medizin. Na, dann hat sie das auch getan, und dann hatte ich ihr einen Zettel aufgeschrieben, was ich alles sonst noch haben wollte, und dann klappte das auch. Es kam auch mit diesem Trupp ein amerikanischer Stabsarzt, ein Jude, der aber dann sehr freundlich war zu uns. Ich habe dem dann erzählt, dass meine Familie da noch wohnt und das auch vorgeschlagen, dass ich die mal besuchen sollte. Die waren also in einem kleinen Beamtenhäuschen, am Eingang des Lazarettes waren wir untergebracht, und dann habe ich ihn dort abgesetzt, er sagte, er brauche ja da nicht mit rein, da sollte ich mal sehen, wie ich da klar käme, und dann sagte er hinterher, ja ich hätte ja da noch ein Radio oder so, ob ich da Wert drauf legte, großen Wert drauf. Ich sagte, das könnte er mitnehmen, und da hatte ich aber große Angst. Ich hatte eine Pistole versteckt gehabt dort für meine Familie. Meiner Frau habe ich gesagt: „Wenn sie dir was tun, da und da ist die Pistole, dann schieß ihn über den Haufen, ganz egal", und ja, die war im Wäscheschrank unter unserer Wäsche da irgendwie versteckt. Dann haben sie hinterher, wie ich da gewesen war, haben die Amerikaner meine Wohnung, da suchten sie nach Alkohol. Ich sag, ich wüßte nicht, ich glaubte nicht, dass ich Alkohol da hätte, die hatten wir nämlich alle unter Kohlen versteckt im Kohlenkeller, und da haben sie auch hineingeguckt, und da haben sie bloß Wasserflaschen oder Saftflaschen oder so etwas, die da draußen standen noch gefunden, aber haben alles auf den Kopf gestellt in der Wohnung sonst, alle Schränke rausgeschmissen, bloß die Pistole haben sie nicht entdeckt. Ich sagte: Da wärst du dran gewesen, die hätten dich da mitgenommen", es war ja verboten, irgendwelche Waffen zu besitzen, oder zu Hause zu haben. Ja, und dann fuhr ich wieder zurück und hatte nun Verbandsmaterial, Tabletten und so weiter, wenigstens ein bißchen. Nicht allzu viel und komme dann zurück, und dann hieß es: „Ja, also, Herr Koch, das ist ja alles ganz nett und schön, aber was können wir sonst noch tun?" Ich sage: „Ich kann auch nicht helfen, ich weiß ja auch nicht, was ich sonst machen soll." Plötzlich und dann wurde ich gebeten vom Lagerkommandanten, ich möchte doch ihnen behilflich sein bei der Aufspürung von Politikern oder von irgendwelchen Nazis da im Lager. Ich sage: „Davon habe ich keine Ahnung, das können Sie mir nicht zumuten und ärztlich, ich habe keine Ahnung, ich kenne alle nicht." Jedenfalls und dann passierte Folgendes hinterher, dass die Amerikaner sagten: „Herr Koch, aber hier fehlen Ärzte in den Reservelazaretten hier rund in Bad Hersfeld, die ganzen Ärzte sind alle abgehauen, und da sind auch noch ein russisches Lager und ein polnisches Lager. Hier in Bad Hersfeld am Kreiskrankenhaus, da ist auch kein Arzt, die brauchen dringend einen Internisten, können sie einen da raussuchen von Ihren Ärzten, das da einer vielleicht hingeht?". Ich sag: „Wissen Sie, wer da hingeht, Ihr, ich gehe da hin." Auf diese Art und Weise kam ich tatsächlich da raus und landete dann in Hersfeld am Kreiskrankenhaus.




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