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Interviewter: Harald Sander
Geb. 29.05.1923
Marine/ Kleinst U-Boote ( „Seehunde")
Interviewer: Franjo Hülck
Harald Sander: Bin ich 1934 in das Gymnasium Berlin-Dahlem gekommen, wo ich bis 1941 geblieben bin. Ich habe mich aber in der 8. Klasse zur Marine gemeldet. Ich wollte nicht zum Heer und nicht zur Luftwaffe. Die Marine interessierte mich schon als Kind immer, weil ich einen Jugendfreund hatte, mit dem ich schon öfter Marine gespielt hatte. Der war auch in der Mariner HJ, ich war in der normalen HJ gewesen. Und wie das damals so war, dass wir alle da zugezogen wurden. Praktisch gingen die Interessen auf die Marine hin. Das hat dann auch geklappt, dass ich faktisch vor dem Abitur eingezogen wurde, das war am 30. September 1941. Mußten wir nach Buxtehude, dann waren wir ein paar Tage da in Buxtehude, aber die amtliche Zeit begann dann mit der Rekrutenkompanie in Roosendaal im Süden von den Niederlanden. Die Zeit ging auch vorbei und bis Weihnachten 1941/42, zu diesem Weihnachtsfest, Silvesterfest, waren wir noch in Holland, da unten in Roosendaal gewesen.
Ja, meine erste amtliche Marinezeit begann dann in der Marineschule in Kiel, wo ich den Werkstättenlehrgang mitgemacht habe. Also, da haben wir alles gelernt vom Schmieden bis zum Drehen und zum Eisenbehandeln. Also, es war eine sehr, sehr ausführliche Ausbildung bis zum April 1942. Und als ich denn in Kiel fertig war, bin ich zu meiner nächsten Einheit gekommen. Das war Sperrbrecher in Südfrankreich an der Garonne, das lag in Royan in der Garonne-Mündung. Und da sind wir teilweise nach Bordeaux gekommen. Da bin ich mit einem von meinen Leuten, meinen Kameraden zusammen hingekommen. Und mit dem Ernst August von der Haar aus Hannover, da waren wir also zu zweit. Und da waren nach diesem Lehrgang in Kiel, sind wir denn schon Maschinenmaate geworden und denn sind wir als Maat, also als Unteroffiziere an das große Schiff gekommen. Also; es war ein 5000-Tonner, der fuhr als Sperrbrecher. Wir haben da praktisch die U-Boote, die italienischen und deutschen U-Boote, die ins Ausland fuhren, die praktisch Blockadebrecher waren bis nach Japan hin, um von dort Festmetalle zu holen, kamen dann wieder nach Hause, und die mußten wir ja reinholen nach Bordeaux und wieder rausbringen. Und da waren die Engländer so freundlich und haben vorne vor Bordeaux und vor der Garonne Minen geworfen. Und diese Minen mußten wir praktisch zerstören, bevor die U-Boote drüberfuhren. Dann fuhren wir als Sperrbrecher, wir waren praktisch wie so ein Magnet dann. Wir hatten vorne um das Schiff eine Spule drum, die wiederum durch Maschinenkraft aufgeladen wurde, da hatte man extra Diesel am Schiff, und diese Spule, dieser große Magnet, fuhr vor den U-Booten her, und dabei gingen eben diese Minen hoch, die dachten, es wäre eben ein Schiff da. Da bin ich eine Weile drauf geblieben auf dem Schiff, und wir sind da nicht viel an Land gekommen in Royan, wir haben immer gedacht: „Wozu an Land gehen, du kannst das Land vom Bord aus sehen."
Und die Besatzung war natürlich größer, ein 5000-Tonner braucht mehr. Da habe ich auch selbst nicht mehr als Heizer gefahren, sondern das war ein 2-Takter, also 7 Zylinder, glaube ich, hatten wir da drauf, und die Maschine haben wir gefahren, aber auch nach der alten Art. Und auf dem Schiff waren aber teilweise auch noch -der L.I.( Leitender Ingeneur ) , der da auf dem Boot war, das war keiner von der Marine, sondern das war ein „Silberling" (Mariner im Verwaltungsdienst oder keine Berufssoldaten), der praktisch von früher da war.
Da haben wir so alles mögliche erlebt. Aber danach wurden wir wieder zurückgeholt nach Kiel, dann kam auch zwischendurch mal so ein Feldwebel-Lehrgang, und denn waren wir mit einem Teil der Gruppe in Memel gewesen. Also, die ganze Zeit von 42, 43, die war sehr unterschiedlich. Bis ich dann 1943 zum ersten L.I.-Lehrgang ( Leitender Ingenieur ) nach Godenhaven Gdansk/Polen) gekommen bin, um auf einem 7 C-Boot als L.I. zu lernen. Wie soll ich sagen, diese normalen U-Boote, die immer im Einsatz waren auch. Auf denen haben wir in der Ostsee, erst in Godenhaven und den zweiten Lehrgang nachher in Pillau, gelernt. Es war eine volle Besatzung auf dem Boot, die also als Stammbesatzung fuhr, damit das Boot fahrfähig war, vom Kapitän bis zum letzten Matrosen. Und wir Lehrpersonen, ich war als L.I. , als 1 L.I, auf dem einen Boot, und dann waren noch mehrere Seeoffiziere, die als Seeoffiziere, da lernten. Also junge Leutnants und auch Oberfähnrich. Ich selbst war noch Oberfähnrich, und trotzdem habe ich den Lehrgang gemacht.
Ja, das war natürlich eine besondere Sache, als wir da nach Neustadt kamen. „Was käme denn auf uns zu?" Ach so, in der ersten Zeit hatten wir sogar noch nicht die fertigen
„ Seehunde "( Kleinst U-Boote ), sondern wir hatten erst 2-Mann-U-Boote, die nur mit E-Maschine liefen. Das Boot war noch nicht so groß wie später die anderen mit Diesel und E-Maschine, sondern nur die E-Maschine und damit haben wir praktisch erstmal geübt, da in der See. Ja, und denn kam so Gedöns, so auch mit dem Torpedoschießen. Wir hatten natürlich so einen Torpedo unten dranhängen, da sind wir in der Neustädter Bucht rumgefahren, und die ist ja nicht so tief. Und wenn wir denn Pause machen wollten, dann haben wir uns eben auf Grund gelegt. Und da waren so Fenster oben im Turmlug, dass wir dann mal so ein bißchen zugeguckt haben, was da so an Fischen rumschwamm. Also, das war so die Anfangszeit. Die ersten „ Seehunde „ die kamen denn nachher so Oktober, November, glaube ich. Und da wurden wir 10 Mann dann erstmal auf den Seehunden ausgebildet, damit wir damit umgehen konnten. Also die Unterwasserfahrt, Überwasserfahrt war klar, überhaupt die Maschine bedienen, also die waren ungefähr so 12 Meter lang und waren bestückt unten mit zwei Torpedos, die unten dranhingen.
Als Fortbewegungsmittel, wenn ich das mal so sagen darf, war über Wasser ein Diesel, und der war gekoppelt mit einer E-Maschine, die da hinter hing. Und wenn wir denn tauchten, dann wurde der Diesel abgeschaltet, und unter Wasser fuhren wir mit E-Maschine weiter. Die E-Maschine kriegte dann, von der Überwasserfahrt waren vorne Akkus drin. Und die E-Maschine lief praktisch als Generator über Wasser und lud die Akkus, und unter Wasser brauchten wir sie dann als Motor, um die E-Maschine zu bedienen, und so fuhren wir dann unter Wasser. Und dieses ganze Manöver noch mit dem Tauchen mit „ Tiefenwasser ",
„ Tiefenruder " einstellen und so weiter, und das Auspendeln unter Wasser, das haben wir dann praktisch von den großen Booten auf das kleine Boot denn übersetzt. Und die Ausbildung da, das nannte sich damals denn auch K-Verband, Kleinkampfverband, und da kriegten wir denn auch später Admiral Heye, der auch als besonderer U-Boot-Kommandant da war und auch viel geleistet hatte. Und ich kam dann, muß ich mal so überlegen, also das war so, ich glaube, Ende Februar, Anfang Mai, wurde ich denn von dem Ausbilden weggeschickt, und denn wurde eine Flottille zusammengestellt mit 10 Booten. Und wir wurden, die 10 Boote...nein stimmt nicht mit den Booten, wir wurden ja erst nach Wilhelmshaven kommandiert, habe ich ein Stück vergessen, und in Wilhelmshaven, da lagen dann die Boote, mit denen wir denn den Einsatz fahren wollten. Da habe ich denn also einen Kommandanten dazugekriegt, wir waren dann eine Besatzung, wir mußten uns dann einig werden, dass wir zusammen fahren wollten, und haben denn ein Boot bekommen und haben denn in Wilhelmshaven erstmal, also da mit dem Boot umgehen lernen. Und damit Probefahrten im Hafenbecken gemacht und so weiter und haben da getaucht, obwohl man in Wilhelmshaven da nicht viel sah. Das heißt ja auch Schlicktown. Und dieses Schlicktown, da ist eben, wenn man da 2-3 Meter unter der Wasseroberfläche ist, denn ist das praktisch so dreckig, da sieht man auch nichts. Aber da haben wir dann die ganze Ausbildung mit dem Boot gemacht, bis dann 10 U-Boote zusammen waren. Und diese 10 Boote wurden dann auf LKW-Anhängern gesetzt. Also, vorne war so eine riesen Büssing-Zugmaschine, wie die da am Ende des Krieges so da waren. Und hinten wurden dann die Boote draufgepackt, und die sind dann mit Plane überdeckt worden, damit das nicht so auffiel, dass das U-Boote waren. Das, wenn man sich erinnert, um die Zeit kam das ja auch mit „ V1 „ und „ V 2 „. Und diese " V 1 „ und „V 2 „ wurden ja auch immer an die französische und holländische Küste gebracht, wo denn unser Führer damit England bedrohen wollte. Und dann haben wir eben, wenn einer fragte: „Ja, das sind eben alles V 1 oder V 2, was wir da drauf hatten", so sind wir denn nach Ijmuiden, das liegt am Ausgang des Amsterdamer Seekanals, der von Amsterdam bis zur Nordsee geht. Und da haben wir hinter den Schleusen unser Quartier aufgeschlagen und die Boote gelegt, das war ein bißchen sicher, denn die Engländer, die probierten ja, damals waren die ja schon soweit, dass sie praktisch die Macht da hatten, da war ja schon der Einmarsch gewesen und so weiter, 45.
Interviewer: 45?
Harald Sander: Ja, ja, also, die waren also praktisch um uns rum da schon und denn kamen die ja und haben denn bombardiert. Aber bombardiert haben sie nur vorne am Ausgang der ganzen Hafenanlage, wo die Schnellboote lagen. Uns konnten sie nicht bombardieren, sonst wenn die Schleusen kaputtgegangen wären, wäre Holland abgesoffen. Also, da lagen wir etwas sicher.
Und untergebracht wurden wir Fahrer immer in Privathäusern, die da in der Nähe von Haarlem waren. Und in einem Haus wohnten dann meistens, also wir haben immer gesagt, 3 oder 4 Familien, also immer 2 Mann,( Eine U-Bootbesatzung ) immer die zusammen lebten, wir mußten uns ja vollkommen auf uns einspielen, weil wir ja dann auch draußen praktisch so ein Pärchen bilden mußten, was eben hundertprozentig zusammen funktionierte. Und das hat eigentlich auch so ganz gut geklappt. Wir waren da abgesperrt, da hatten wir auch Wachen um uns drum und so weiter, also die ganze Geschichte, wie weit das nun abgeschirmt gegenüber den Holländern und so weiter, das haben wir als Marineleute gar nicht so mitgekriegt. Wir wußten ja nicht, was auf uns zukam, und denn, als wir nun die Boote da unten im Kanal eingefahren hatten, und ich habe da selber noch an meinem Motor noch ein bißchen rumgefummelt, den ein bißchen hochgezüchtet, damit das Boot ein bißchen schneller fuhr. Auf der anderen Seite durfte das nicht zu schnell fahren, dann ist das untergeschnitten und so. Also, das waren so die kleineren Spielereien, die man denn da so macht.
Gott wie alt waren wir denn? Das war 1945, da wir ich 22, also noch nicht mal 22,...... 21, bin ja noch im Mai geboren. Also, da war das noch alles nicht. Man hat denn immer noch wieder probiert, aus dem bißchen was zu machen. Viele fragen ja immer auch heute noch: „Warum hast du das gemacht? Und warum bist du in das Boot reingestiegen?" und so. Da muß ich ehrlich sagen, manchmal hat mir das Boot, als Boot, als wenn ich jetzt heute meinetwegen auf so ein Motorboot gehe und mit dem Motorboot Spaß habe, damals war das auch für uns Jungs so ein Schiff, mit dem wir im Grunde genommen Spaß hatten zu fahren. Der Ernst, der dahinter lag, den hat man da eigentlich gar nicht so,...den hat man akzeptiert und gar nicht so wahrgenommen. Also, Angst gab es sowieso nicht, wir sind damit gefahren, und Angst hatten wir nicht. Und wir waren ja so erzogen: „Mach das mal" und für uns Kinder und Jungs, das war uns ja eingebläut worden, Frankreich und England und die anderen waren ja die Feinde, und wir mußten die Feinde besiegen und so weiter. Und das war die ganze Einstellung, die wir praktisch auf dem Boot noch hatten. Da kam es darauf an, unseren Einsatz, unsere Arbeit vernünftig und gut zu machen. Und natürlich ein bißchen darauf aufpassen, dass uns selbst nichts passierte. Und das war natürlich mit diesen Booten ja nicht so einfach. Denn die erste Flottille, die hingekommen waren, das waren 10 Boote, da ist leider nur einer zurückgekommen. Das mag gar nicht mal durch Feindeinwirkung gekommen sein, sondern meistens durch menschliches Versagen. Also, dass die selber mit den Booten nicht so klar kamen, das war furchtbar schwierig, so klein und dick und unter Wasser. Wir hatten ja auch keine Hilfsmittel wie heutzutage mit der ganzen Elektronik, das gab’s ja nicht. Wir hatten wohl eine Rudermaschine drin, aber sonst, wenn die Mole quer ab war, dann waren wir alleine. Denn mußten wir selber sehen, wo wir lagen und wo wir fahren nach Seekarten. Und denn mal gucken, wo die Sonne stand und so weiter, das war schon gefährlich, denn über Wasser konnte man ja nicht mehr fahren, weil die Engländer da aufpaßten. Und nach dieser Anfangszeit kam ich dann Ende Januar in meinen ersten Einsatz und sollte mit meinem Kommandanten zur Schelde-Mündung unten hinfahren. Denn der Engländer hatte ja damals schon zu der Zeit den Nachschub von London, von der Themse zur Schelde rüber, hundertprozentig angang, um die Truppen, die von der, von der...
Interviewer: Die Invasionstruppen...
Harald Sander: Von den Invasionstruppen da, die mussten ja unterstützt werden und so weiter, und diese Linie haben wir angegriffen. Es gab nachher sogar welche, die Boote, die sie verstärkt haben, die bis unten nach Plymouth gefahren sind. Manche sind auch in der Themse-Mündung drin gewesen. Also, wir beide, wir sollten da runterfahren. Nun hatten wir einen Tag erwischt, 2 Tage erwischt also, hach, werde ich nie vergessen, ein Seegang 10, 11 und so weiter. Waren wir mit Lebensmitteln so praktisch ausgebildet, dass wir wenig Verdauung hatten. Trinken ja, aber wenig Verdauung. Also, wir kriegten schon vorher solche Essenssachen, dass wir kaum Verdauung hatten, denn das war ja das Problemchen. Und es gab zwar Mittel, wir hatten ja so große Büchsen, wo die Lebensmittel drin waren, da mußte man die benutzen, und die dann über Bord schmeißen, aber wenn dann bei dem Seegang und so weiter, war das nicht so, aber die ersten 2, 3 Tage, wie das ja auch im normalen Leben heute passiert, dass man mal keine Verdauung hat, denn ging das auch. Und die Kleinigkeiten, da war man als Mann ja etwas, wenn ich das so sagen darf, etwas besser dran. An die Seite gelegt, und dann wurde das erledigt, das haben wir so ähnlich gemacht, wie heute die Radfahrer, wenn sie durch die Tour de France fahren, denn machen sie das auch mal auf die schnelle Tour. Und, also, so sind wir ganz gut da unten hingekommen. Bloß, dann kam das Elend, dass das Dieselluftkopfventil nicht mehr funktionierte. Und jedes Mal, wenn wir über Wasser hochkamen, dann kam so ein Schwall Wasser mit ins Boot. Und unser Heck lag allmählich immer tiefer und immer tiefer, und es war praktisch so, dass wir gar nicht mehr hinten Luft holen konnten, sondern praktisch unter Wasser blieben. Da habe ich damals nur einen Kommandanten gefragt, ich sag: „Wie tief ist es denn hier?" „Ja", sagt er, „Wir sind schon ziemlich weit unten, wir sind schon ungefähr in dieser tiefen Rinne, die da von der Nordsee durch den Kanal Richtung Biskaya geht." Und er sagte: „Das muß so gut 50 Meter sein." Ich sag: „Ja, laß mal sacken." Normal war ja bei unseren Booten, bei 30 Metern wird es ernst, aber wir haben es sacken lassen, wir haben gewartet, bis der Sand kam und haben gesagt: „So, jetzt sind wir unten." Man muß mal überlegen, da hatten wir immerhin auf den Quadratzentimeter 5 atü (Atmosphärenüberdruck). Und die Dicke des Metalls außenrum, unser Bootskörper, der war ja nur 5 Millimeter stark. Und die Rippen, die wir hatten, die hatten 30 Zentimeter Abstand. Also, es war ja praktisch wie Fischgräten, wie man ein Boot baut heute, also diese dünne Stärke da von dem Bootskörper.
Aber es hat nicht geknackt, es war ruhig im Boot, bloß das einzige war, dass das Wasser von achtern nach vorne kam, und wir denn beide im Wasser drin saßen. Na ja, der Kommandant saß etwas höher, ich etwas tiefer hinten, wir saßen dann im Wasser. Und denn haben wir erstmal Luft geholt, und: „Na ja gut, was jetzt machen?" Und denn haben wir die alte Art probiert beim Auftauchen. Also, man kann ja nicht den Diesel unter Wasser anstellen, das braucht ja Luft, sondern mit der E-Maschine, denn haben wir eben probiert, Tiefenruder vorne hoch und denn mit E-Maschine anfahren und denn hochfahren bis das Boot so hoch ist, dass es praktisch die Schnauze aus dem Wasser steckt, und das dann Luft kommt, und ich den Diesel anschalten kann und dann hat man mit dem Diesel die Tauchzellen leer gepumpt. Nun waren wir ja so schwer, dass eigentlich in den Tauchzellen sowieso nicht viel Wasser drin war, denn ich hatte die gar nicht geflutet, wir waren sowieso vom Boot aus schwer. Also, ein Schiff schwimmt ja nur, wenn es soviel Verdrängung hat, dass es über Wasser bleibt. Na ja gut, das hat nicht funktioniert, wir waren zu schwer. Und pumpen konnten wir auch nicht, unsere Lenzpumpe (lenzen= Seemannssprache: leer pumpen), die schaffte nur 25 Meter. Es hatte 2 ½ atü, die konnte man wohl mit Handlenzpumpe, konnten wir da wohl pumpen, aber in der Tiefe von 50 Meter...Aussteigen wollten wir auch nicht, noch waren wir ja beide fit. Und aus 50 Metern aussteigen ist auch nicht so ganz einfach, das kann auch schief gehen. Also weiterprobieren . Nun haben wir in dem Boot 2 Preßluftflaschen gehabt, so als Lebensrettung. Da habe ich damals aus den beiden Pressluftflaschen, Pressluft vorne in die Tauchzelle 1 gedrückt, also vorne in den Bug, und dadurch kam das Boot dann vorne hoch, etwas. Und dann bin ich angefahren mit E-Maschine und tatsächlich hat das Boot sich denn an diese Luftblase vorne drangehängt. Und dann haben wir dann, wenn man dann sieht, dass wir praktisch mit der halben Bootslänge unter Wasser waren, hat man denn also praktisch angefangen zu pumpen. Also, wir waren ja froh, dass wir wenigstens oben an der Oberfläche waren. Dann kam natürlich das Manöver: „Sind da oben Schiffe?" Unter Wasser kann man ja unheimlich weit hören , unter Wasser kann man jedes Schraubengeräusch und alles unheimlich weit hören. Und also, da war nichts. Und wir hatten ja so lange gewartet bis es Nacht war, bis es dunkel war. Also, sie haben uns nicht entdeckt, und wir haben dann eifrig angefangen zu pumpen, um das Boot wieder leichter zu machen, dass wir wieder fahren konnten. Dass das Ventil kaputt war, dass wußten wir ja nun. Und wir schaukelten natürlich da oben, es war nicht so ganz angenehme Luft da, was natürlich uns beide auch in unheimliche Spannungen brachte, und dann gingen natürlich diese Worte hin, und diese Worte her: „Nun mach doch mal, nun pumpe weiter" und so weiter. Da kam nachher später, ich weiß nicht, wie es war, denn kam plötzlich, dass der Kommandant von mir da sagte: „Harry, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich weiß nicht mehr, ich steige jetzt aus!" und so weiter. Also, so ein bißchen durchdrehte, also, das er das nicht schaffte, was wir eigentlich noch machen mußten, denn wenn wir jetzt nicht weitergepumpt hätten, wären wir wieder abgesackt, hätten wir wieder auf 50 Meter gelegen. Also, das war für mich auch so..., na ja, dann habe ich so, ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, ich habe ihn zusammen- geschissen. Also, ich habe ihn richtig so meine Meinung gesagt. Ich sag: „Wenn du jetzt nicht willst, dann haue ich dir zwischen die Augen was." Also, er mußte wieder von seinem Schock runtergeholt werden. Und das passiert ja immer, also, es mag ein bißchen auch sein, was mir heute auch manchmal gefragt wird: „Wie kannst du in dem kleinen Boot was gemacht haben?" Diese Enge spielt denn bei so einem Moment, wo man dann nicht mehr gesund ist, also wo die ganze Arbeit in Ordnung war und so weiter, und das Negative und jeder Moment praktisch schief gehen könnte. Die Engländer, die konnten ja über uns wegfahren, wenn ein Boot da war, wenn sie uns entdeckt hatten, konnten sie uns an Grund jagen und so weiter . Also, das war...also, da mußte ich mich ziemlich zusammenreißen. Dass ich das geschafft habe, das ist so eine dolle Sache. Ich sag ja heute immer, der liebe Gott hat in meinem ganzen Leben da unten bei der Marine immer einen dicken Daumen dazwischen gehalten, um da wieder vernünftig. Na ja, lange Rede, kurzer Sinn, wir haben es geschafft und sind dann wieder nach Hause gefahren, das heißt wieder nach Ijmuiden zurück. Immer zeitweise gefahren, und denn haben wir beide wieder gepumpt, und denn sind wir weiter gefahren, bis wir durch die Schleusen kamen. Und denn haben wir dem Schleusenwärter schon so, die sollten oben den Kran zurecht stellen, wenn wir durch wären, dass sie uns sofort an den Kran nehmen, damit wir nicht wieder wegsacken, weil das Boot so gerade schwamm. Mehr war da nicht drin. Und na ja, die waren nicht ganz so erfreut da, als wir wieder nach Hause kamen, aber die Hauptsache: Wir waren wieder da. Die beiden Torpedos hatten wir auch noch dran, also die waren nicht vergeudet, das war ja alles wertvolles Material. Ja, das Boot war nun kaputt. „Was machen?" Also unser Chef, der Admiral Heye hat denn gesagt: „Harald Sander:, fahr nach Hause 8 Tage, nach Berlin, und denn fährst du von da wieder nach Wilhelmshaven, holst dir ein neues Boot." Und denn habe ich ihm auch gesagt, dass ich mit meinem Kumpel da nicht ganz so klar kam. „Ja, such dir einen neuen Kommandanten, wir haben ja noch welche in der Ausbildung." Und denn habe ich mir da in Wilhelmshaven nach dem Urlaub in Berlin....Das war auch nicht so einfach da nach Berlin zu kommen, denn da waren ja schon die „Kettenhunde" schon zugange. Ich weiß nicht, ob man heutzutage den Ausdruck „Kettenhunde" noch kennt. Das war der Himmler und Adolf, die hatten ja solche Truppen da aufgebaut, das war so eine Gendarmerie der Wehrmacht, die hatten so Ketten hier rum, das war so Polizei der Wehrmacht. Und alles, was da so rumlief in Berlin und sonst wo, das sammelten die zusammen, um da wieder Truppen in die Berlinverteidigung. Das war ja inzwischen denn ja schon Ende Februar, da kamen die russischen Truppen ja auch schon auf Berlin zu. Dafür hatte ich natürlich einen Sonderausweis, dass sie mich nicht kriegen konnten. Also, das hatte ich von Heye, dass ich beim K-Verband war, dass sie mich also nicht damit Richtung Rußland schicken konnten.
Und denn ging das Manöver wieder von vorne los. In Wilhelmshaven wieder ein Boot holen, dann wieder einfahren, und denn sind wir mit dem Zug runtergefahren. Da wurden die ganzen 10 Boote von einer Flottille auf einen Zug gepackt. Denn hatten wir noch Infanterie dabei als Bewachung, und sind nachts gefahren. Am Tag haben wir an der Grenze auf so einem Abstellgleis gestanden unter Bewachung und denn weitergefahren, um denn nach der zweiten Nacht unten in Ijmuiden anzukommen. So, dann waren wir wieder einfahren. Und denn, ja jetzt da unten mit der Schelde ist nicht mehr so, das war nun alles schon ein bißchen weiter. Nun kriegte ich den Auftrag, mit meinen Kameraden da nach Great Yarmouth. Das ist also, wenn man von Ijmuiden eine Linie legt, genau Ost-West, kommt man direkt auf die Kante, wo von England, wo der Hafen Great Yarmouth liegt und die Stadt Great Yarmouth. Um diese Ecke rum kamen die Transportschiffe von Amerika rüber, die fuhren unter der Küste her, um dann nach London Nachschub zu fahren, und auf diese Linie mußten wir dann hinfahren. Denn haben wir uns in so 2 Tagen da hingejuckelt, denn am Tag über auf Grund, in der Nacht wieder weiterfahren, denn das Boot fuhr ja nicht viel. Das fuhr nur über Wasser 6, 7 Meilen, das ist ja keine Geschwindigkeit, das sind ja 12 Kilometer, wenn man das überlegt. Unter Wasser 3, 4 Meilen, noch weniger. Und dann haben wir uns da vor Great Yarmouth auf Grund gelegt und denn kam am nächsten Tag, hörten wir schon von weitem das „Wietwietwietwiet", 2 Schiffe an, und dann haben wir mal aufgetaucht. Also ein Zerstörer und ein größeres Handelsschiff, wir haben damals so geschätzt 10, 12.000 Tonnen, hinter dem Zerstörer her. Na ja gut, es ist ein Fang, wir wollten es mal probieren. Da haben wir uns erst wieder auf Grund gelegt, bis der Zerstörer oben vorbei war, und dann sind wir so auf Seebodentiefe gegangen, und mein Kommandant hat das probiert, und ich mußte denn um die beiden Hebel um die Torpedos zu lösen, die waren neben meinem L.I. Sitz hinten, die mußte ich denn ziehen, erst den einen, denn den anderen. Ja, es hat nicht gerumst. Heutzutage sage ich denn natürlich: „Gott sei dank haben wir nicht getroffen!"
Interviewer: Aber wie war das damals?
Harald Sander: Ja, nein, wir haben den 10.000-Tonner nicht versenkt damals.
Interviewer: Nein, ich meine nur, wie war die Überlegung: „Ach Mensch, haben wir nun daneben geschossen!" Enttäuscht?
Harald Sander: Ja also, wenn man das so sagt, enttäuscht, nicht enttäuscht, sicher, wir wollten das, aber auf der anderen Seite, aber auf der anderen Seite war ja immer noch der Zerstörer da. Also, wenn ich so richtig überlege, waren wir enttäuscht oder nicht enttäuscht, sicher, wir wollten das Schiff versenken. Wahrscheinlich wollten wir das auch
Interviewer: Man will ja denn auch los...
Harald Sander: Man will ja wieder weg. Also, nach den Schüssen sind wir sofort auf Tiefe gegangen, haben uns unten hingelegt, und dann mußten wir ja still sein. Da darf man ja kein Geräusch, kein metallisches, denn kamen sofort die Angriffe von den Engländern wieder. Und denn kam diese „ Asdic „( Sonar ) wie man das nennt, ich weiß nicht, also, man kennt das ja von dem Film das Boot, was da gemacht worden ist, und das hört sich so an, als wenn einer eine Hand voll Kiesel nimmt, und die gegen den Bootskörper wirft. Das ist immer so: „Tick, tick, tick, tick", geht das so in Abständen. Und denn kommt das so. Es war eine Weile ruhig und denn hörte man den Zerstörer zurückkommen. Der andere, der fuhr natürlich weiter, und dann kam der Zerstörer und probierte uns zu suchen.
Ja, das hat so ein paar Stunden dann gedauert. Denn entweder er fuhr, oder wir fuhren, wenn er fuhr, sind wir auch gefahren, weil ja denn Geräusch gegen Geräusch ging. Und wenn er still aufhörte zu fahren, denn hat er uns gesucht, denn haben wir uns auch ruhig gelegt. Ja, die ganze Schose ging dann so, dass das mit, ja, es waren ,glaub ich, gut 30 Wasserbomben, die wir auf den Kopf gekriegt haben. Also nicht direkt, sonst wäre ich heute nicht hier, aber in der Umgebung hat der immer probiert, uns mit Wasserbomben zu zerstören. Er hat denn eine Weile durchgehalten, und denn waren wir nachher so weit weg von ihm, und wir waren ja an sich ein ganz kleiner Angriffspunkt, das Schiff ist ja knapp einen Meter breit und diese 12, 13 Meter Länge, das ist ja kein großer Angriffspunkt, um für ihn die Messung genau zu machen. Also, da hatten wir mal wieder Glück und sind dann in der Nacht nach Hause gefahren, und sind dann auch gut in Ijmuiden wieder gelandet, und das war denn schon ziemlich so am Schluß, das war denn schon Ende März, Anfang April 1945. Denn war es schon so, dass die Kanadier und Engländer da bei uns auch immer näher kamen.
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